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Westlicher Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera) - Häufig gestellte Fragen

a) Warum ist Diabrotica von so großem Interesse für die Maisanbauer?
Es ist der bedeutendste Maisschädling in Nordamerika. Es ist der Schädling, gegen den die meisten Insektizide weltweit ausgebracht werden. Der Käfer kann Schäden von 10 bis 30 % im Mais verursachen, in einigen Jahren auch lokal bis zu 90 % (z. B. Südungarn 2003).

b) Wie breitet sich Diabrotica aus? Was sind die Verschleppungswege?
Es gibt zwei Formen der Ausbreitung: Die natürliche Ausbreitung, die durch den aktiven Flug der Käfer stattfindet. Diese kann in Gebieten mit intensivem Maisanbau 80 km/Jahr betragen. Eine zweite Form ist die Ausbreitung durch Verschleppungen mit Transportmitteln, die zu punktuellen Einschleppungen in bisher nicht befallenen Gebieten führen können. In Europa ist Diabrotica vorwiegend mit Flugzeugen, aber auch der Bahn großräumig verschleppt worden.

c) Kann Diabrotica auch durch Maissaatgut verschleppt werden?
Nein, durch Maissaatgut wird Diabrotica nicht verschleppt.

d) Lässt sich Diabrotica überhaupt noch in Europa aufhalten?
Seine Ausbreitung in Europa kann nicht vollständig gestoppt werden. Aber die Geschwindigkeit, mit der der Käfer sich ausbreitet, kann deutlich reduziert werden: Zum einen durch Begrenzungsmaßnahmen in Befallsgebieten (z. B. von 80 km auf 15 km oder weniger) und zum anderen durch Ausrottungsmaßnahmen bei einer punktuellen Einschleppung weniger Käfer in bisher befallfreier Gebiete.

e) Wie lässt sich ein Erstbefall durch Diabrotica hinauszögern?
Bei der natürlichen Ausbreitung können Begrenzungsmaßnahmen, wie Fruchtwechsel (kein Mais nach Mais) oder ein möglicher Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Ausbreitungsrate deutlich reduzieren. Gebirge und große Regionen ohne Maisanbau stellen eine natürliche Barriere dar. Die Verschleppung mit Transportmitteln lässt sich nur schwer kontrollieren.

f) Wie kann Diabrotica überwacht werden?
Ein Befall von wenigen Käfern (z. B. Einschleppungen) lässt sich nur mit geeigneten Fallen feststellen. Dieses können Lockstofffallen mit Sexualpheromonen (fangen Männchen) oder Fallen mit Blütenextrakten (fangen beide Geschlechter) sein. Unspezifische Gelbtafeln sind weniger geeignet.


g) Kann man eine dauerhafte Ansiedlung bei einer punktuellen Einschleppung überhaupt verhindern?
Dies ist möglich, hängt jedoch davon ab, wie zeitig der Befall entdeckt wird. Nur wenige Käfer lassen sich durch konsequente Gegenmaßnahmen ausrotten. Treten aber bereits sehr viele Käfer in einem größeren Gebiet mit intensivem Maisanbau auf, ist dieses kaum noch mit vertretbarem Aufwand möglich.


h) Sind alle Maisanbaugebiete in Deutschland durch Diabrotica bedroht?
Nein, besonders Gebiete mit intensivem Maisanbau, in denen Mais nach Mais angebaut wird, sind gefährdet. Insbesondere die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern müssen mit wirtschaftlichen Schäden rechnen.

i) Was für Schäden richtet dieser Käfer an? Schädigt er nur Mais?
Der Hauptschaden wird durch den Fraß der Larven im Boden an den Maiswurzeln verursacht. Die erwachsenen Käfer fressen an den Narbenfäden („Seide“), Pollen und an Blättern vom Mais. Der Fraß der Käfer an den Narbenfäden führt zu einer verminderten Kornausbildung. Dass kann vor allem in der Saatgut- und Körnermaiserzeugung zu bedeutenden Ertragsverlusten kommen. Der Käfer fliegt auch umher und frisst vorwiegend den Pollen von anderen Kulturen oder Unkräutern. Der Käfer kann Kürbisfrüchte, die für ihn sehr attraktiv sind, durch Fraß schädigen.

j) Kann der Käfer ausgerottet werden, wenn kein Mais nach Mais mehr angebaut wird?
Eine Ausrottung durch einen Fruchtwechsel ist wahrscheinlich, insbesondere wenn nur sehr wenige Käfer vorkommen. Dies ist eine sehr wirksame Maßnahme, um die Anzahl der Käfer soweit zu reduzieren, dass i. d. R. keine wirtschaftlichen Schäden mehr am Mais zu erwarten sind. Diabrotica hat dennoch drei wesentliche Überlebensstrategien: 1. Ein geringer Anteil von Eiern (0,21 %) überwintert zwei Jahre im Boden. 2. Eine geringe Anzahl von Eiern (geschätzt 3-5 %) wird nicht in Mais, sondern in anderen Kulturen abgelegt. 3. Einige Larven können an Gramineen (Süßgräsern) überleben.

k) Was ist ein Soja-Biotyp? Fressen Diabrotica-Larven auch an Sojawurzeln?
Der Soja-Biotyp ist in einigen Regionen der USA bekannt. Das sind Diabrotica-Populationen, die sich der besonderen Fruchtfolge Mais-Soja angepasst haben. Die Käfer legen den überwiegenden Anteil ihrer Eier nicht mehr in den Mais (wie üblich), sondern in Soja. Dort überwintern die Eier und finden im Folgejahr Mais vor. Es handelt sich um ein verändertes Eiablageverhalten. Die Larven können nicht an Sojawurzel überleben.

l) Kann sich Diabrotica auch in anderen Kulturen als Mais entwickeln?
Während die Käfer, die sehr mobil sind, neben Mais an verschiedenen Kulturen fressen können, sind die Larven im Boden auf das angewiesen, was sie im Frühjahr nach dem Schlupf vorfinden. Die Larven sind auf Maiswurzeln spezialisiert. Es gibt Hinweise aus Labor-Untersuchungen, dass einige Larven auch an Gramineen, zu denen unsere Getreidearten gehören, überleben können. Ob dies auch im Freiland unter den Klimaverhältnissen in Deutschland möglich ist und ob es zu einer vollständigen Entwicklung von Käfern kommen kann, ist noch nicht hinreichend geklärt.

 

Zuletzt geändert: 03.03.2014



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